1. März 2007 Frankfurter Neue Presse von Jennifer Hein

Kirchenmäuse singen wieder

Karben. „Ich will jetzt mal Party sehen“, ruft Gerhard Radgen und klatscht dabei in die Hände. Das lassen sich die Kirchenmäuse nicht zweimal sagen, springen auf die kleine Bühne im Pfarrhaus und geben ihre neueste Choreographie zum Besten. Da wird mit den Armen gewedelt, gedreht und gesprungen und natürlich lautstark gesungen. In diesem Jahr proben die jungen Sänger zwischen acht und zwölf Jahren das Musical „Die gute Nachricht“. Dabei geht es den showerprobten Kirchenmäusen vor allem um den Spaß in der Gruppe.
„Die Jungs drehen manchmal ganz schön ab“, verrät Melanie (12) aus Bad Vilbel. „Trotzdem macht es richtig viel Spaß hier.“ Seit zwei Jahren ist die Schülerin bei den Kirchenmäusen und hat dort viele neue Freunde gefunden. „Meine Stimme, mein Schauspiel und Tanz hat sich durch das Proben verbessert“, freut sie sich. Beim Maria-Musical hat sie den Jesus gespielt, jetzt kann sie es kaum erwarten wieder auf der Bühne zu stehen. In dem neuen Musical geht es um Kinder, die eine Zeitmaschine bauen, um zu dem Tag von Christi Geburt zu Reisen. Anstatt in Bethlehem landen die Zeitreisenden aber in Rom und müssen dort erstmal einige Abenteuer bestehen, erklärt Alexander (10). Zehn der Kinder und Jugendlichen, die in diesem Jahr mitmachen, sind schon länger dabei, drei Mädchen möchten zu der stadtbekannten Gruppe hinzustoßen. So auch Jakobia (10). Sie hofft, bei den Mäusen neue Freunde zu finden.
Die Kirchenmäuse sind kein gewöhnlicher Chor: „Bei uns steht die Gruppe im Vordergrund“, sagt Gerhard Radgen, Dekanatsjugendreferent. „Dann erst kommt das Singen.“ 1988 hat er die Gesangsgemeinschaft ins Leben gerufen. Damals noch in Klein-Karben. Heute proben die Mäuse in der evangelischen Kirche in der Westlichen Ringstraße in Groß-Karben, weil dort auch ein Klavier steht. Musicals mit und ohne Band, kleinere und größere Gesangsauftritte, Ferienfreizeiten mit Workshops zu Gesang und Tanz, Auftritte im Ausland, wie 1998 in Tschechien, und ganze Konzert-Tourneen hat Radken schon organisiert. Auch eigene Kompositionen und Veränderungen am Text nimmt er manchmal vor, um aus den Stücken eine individuelle Produktion zu machen. Inspiriert hat ihn damals Hella Heitzmann, mit der er zweimal auf Chorfreizeit war, und der mehrstimmige Gesang seiner Schützlinge auf einer Kirchenfreizeit. Der missionarische Gedanke kommt auch nicht zu kurz. „Das Ziel ist es, Kindern und deren Eltern auf eine fröhliche Weise Jesus Christus nahe zu bringen“, erklärt er. In der ökumenischen Gruppe sind jedoch Kinder aller Glaubensrichtungen willkommen.
Wer Gerhard Radgen bei den Proben mit seinen Schützlingen sieht, dem wird schnell klar, dem Mann liegt viel an seiner ehrenamtlichen Arbeit. Das zeigt auch das rege Interesse an dem Chor. Selbst in Zeiten, in denen es den Vereinen an Nachwuchs mangelt, stellen sich immer wieder neue Kinder bei ihm vor. „Es hängt viel Herzblut mit drin“, sagt Radgen. „Donnerstagnachmittag nehme ich keinen anderen Termin an. Das weiß jeder. Dann probe ich mit den Mäusen“. Zu vielen seiner ehemaligen Kirchenmäuse hat Radgen heute noch Kontakt. Wann genau „Die gute Nachricht“ aufgeführt wird, stehe noch nicht fest. Voraussichtlich kurz vor oder nach den Sommerferien. Es hänge davon ab, wie groß die Produktion diesmal wird.

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